Klubs

Besonderes Anliegen der Geschichtswerkstatt ist die Erforschung der weißen Flecken in der Geschichte des Zweiten Weltkrieges. Junge Historiker, Schüler, Studenten aber auch schon erfahrene Kriegshistoriker und Deutschlandhistoriker treffen sich in den so genannten Klubs für Historiker, die schon seit 2003 in der Geschichtswerkstatt regelmäßig tagen, um zentrale Fragen  und einzelne Aspekte des Themas Zweiter Weltkrieg zu erörtern.

Klub für junge Historiker „Alltag des Krieges: Formen und Traditionen“

Der Klub für junge Historiker tagt bereits seit 2003 In der Geschichtswerkstatt. In 2009 widmet sich der Klub dem Thema Kriegsalltag, das in der belarussischen Forschung immer noch unterbelichtet ist. Hierzu werden sich die jungen Historiker mit einschlägigen neuen Werken von belarussischen und deutschen Historiker auseinandersetzen. Diskutiert werden sollen Aspekte des Holocausts und des Partisanenkampfes sowie allgemein die Verarbeitung der Besatzung durch die Zivilbevölkerung. Indem sich die jungen Historiker neuen Formen und Methoden der Forschungsarbeit zuwenden, können sie mit Hilfe von Quellen und Zeugnissen der Partisanen, Untergrundkämpfer, der Häftlinge von Konzentrationslagern und Ghettos sowie der Zwangsarbeiter die Verfassung der Menschen im Krieg genauer begreifen.

Termin:                4. Freitag /Februar, April, Juni, Oktober, Dezember

Klub für Kriegshistoriker „Die Kollaboration im Krieg: Wahrheit und Dichtungen“

Der in 2003 ins Leben gerufene Klub für Kriegshistoriker beschäftigt sich in 2009 mit dem schwierigen Thema der Kollaboration. Üblicherweise wird der Krieg in Belarus fast ausschließlich als ein einmütiger Kampf der gesamten Bevölkerung gegen die deutsche Besatzung wahrgenommen. Deshalb wurde das komplexe Thema Kollaboration bisher nur am Rande behandelt. Dabei waren zahlreiche Menschen in die von den Nazis organisierte Massenvernichtung der Juden, der Sinti und Roma sowie der gesamten Zivilbevölkerung involviert. Zudem wurde der Vorwurf der Kollaboration in der Nachkriegszeit auch ungerechtfertigt eingesetzt. Im Unterschied zu Belarus sind in der ausländischen Historiografie in den letzten zwei Jahrzehnten etliche wissenschaftliche Publikationen, Bücher und Artikel zu diesem Thema erschienen sowie eine Reihe von Seminaren und Diskussionen durchgeführt worden. Diese sollen im Rahmen der Klubsitzungen kritisch analysiert und um eigene Forschungsansätze ergänzt werden, um einen sachlicheren Umgang mit dem Thema in Belarus zu ermöglichen. 

Termin:                4. Freitag / März, Mai, Juli, September, November

Klub für Deutschland-Historiker „Staatlicher Antihumanismus im 20. Jahrhundert“

Der 2003 gegründete Klub für Deutschland-Historiker wendet sich in 2009 ebenfalls einem schwierigen Thema zu. Denn die vergleichende Analyse des deutschen Nationalsozialismus und des sowjetischen Stalinismus als den beiden das 20. Jahrhundert auf tragische Weise prägenden antihumanistischen Ideologien ist eine der schwierigsten Aufgaben der modernen Geschichtswissenschaft. Denn insbesondere in Deutschland wurde der Vergleich allzu häufig dazu missbraucht, die jeweils eigenen Verbrechen durch den Verweis auf die vermeintlich schlimmeren oder früheren Verbrechen im anderen Land zu verharmlosen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, welche Systemlogiken in beiden Fällen zum Aufbau von umfassenden Gewaltsystemen geführt haben, die Millionen von Menschen das Leben gekostet haben, um humanistische und demokratische Werte in Europa dauerhaft zu stärken. Die Klubmitglieder werden auf der Grundlage der Forschungsergebnisse von belarussischen und deutschen Historikern die ideologischen Formen des Nationalsozialismus und des Stalinismus sowie ihren Einfluss auf die deutsche und sowjetische Gesellschaft analysieren. Dabei soll die Aufmerksamkeit auch auf die persönlichen Zeugnisse und auf die Erinnerungskultur an die Opfer des Nazismus und des Stalinismus gelenkt werden.

Termin:                3. Freitag / März, Mai, September, Dezember

Landeskundliche Schule „Der Kalender der Zeit, des Muts und des Lebens“

Die seit 2003 bestehende Landeskundliche Schule wird von Schülern aus der Mittelschule Nr. 1 in Marina Gorkij unter Leitung ihres Geschichtslehrers Boris Mycha getragen. Die Schüler nutzen damit die verbliebene einzigartige Möglichkeit, die Geschichte der Vergangenheit durch die authentischen Zeugnisse der Generation, die die Kriegsjahre, die Tyrannei von Nationalsozialismus und Stalinismus überlebt hat, zu erforschen. Durch die Treffen und die Fixierung der wichtigen Momente und der Beispiele des Kampfes, der Hilfe und des Glaubens soll das Verantwortungsgefühl der Jugendlichen gestärkt und den Zeitzeugen neue Zuversicht gegeben werden. Denn viele Zeitzeugen haben immer noch kein Gehör gefunden. Im Dialog mit jungen Menschen können sich die ehemaligen Opfer von der Last ihrer schweren Vergangenheit und ihren Depressionen befreien. Die nachkommenden Generationen erhalten eine wichtige Ermahnung an die Notwendigkeit, Frieden zu halten. Schüler, Heimatforscher und Studenten recherchieren und dokumentieren zudem die Geschichte einzelner Familien. Die Ergebnisse dieser Arbeit können bei verschiedenen Bildungs- und Kulturveranstaltungen präsentiert werden.

Termin:                2. Freitag / Januar, Mai, Oktober, November