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29.04.2010 Startschuss für die Zukunftswerkstatt Minsk

28. April 2010. Das neue Projekt „Zukunftswerkstatt“ des Internationalen Bildungs- und Begegnungszentrums Dortmund und der Internationalen Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ stößt auf große Zustimmung in der belarussischen und deutschen Politik. Dies machte die Konferenz „Zukunftswerkstatt Minsk – eine Brücke für Energieeffizienz und erneuerbare Energien“ am Dienstag deutlich.  Ihre vorbehaltlose Unterstützung für die Zukunftswerkstatt brachten u.a. der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck, der stellvertretende belarussische Ministerpräsident Semaschko und der Vorsitzende des Hauptausschusses im nordrhein-westfälischen Landtag Werner Jostmeier zum Ausdruck.

Die Zukunftswerkstatt, die ab 2011 auf dem Gelände der IBB Minsk mit Unterstützung aus Belarus, Deutschland und der EU errichtet werden soll, soll nach Ansicht aller Befürworter zu einer zentralen Brücke für Energieeffizienz und erneuerbare Energiequellen zwischen Ost und West werden. Sie wird daher einen gemeinsamen Lernort für politische Verantwortungsträger, wissenschaftliche Experten, Unternehmen und interessierte Bürger, Schüler und Studenten aus Belarus, Deutschland und anderen europäischen Ländern bilden.

Viktor Balakirew, belarussischer Direktor der IBB Minsk, begrüßte zur Eröffnung ca. 120 Gäste aus Politik und Wirtschaft, Umweltinitiativen, Medien und Wissenschaft und führte kurz in die Thematik ein. Wladimir Semaschko, erster Stellvertreter des Ministerpräsidenten der Republik Belarus, bezeichnete die Zukunftswerkstatt in seinem verlesenen Grußwort als „einzigartiges Projekt“, für dessen prioritäre Einbeziehung in die Plattform „Energie“ der östlichen Partnerschaft sich die Republik Belarus einsetze. Er sei fest davon überzeugt, dass die Zukunftswerkstatt das erste wahre gemeinsame Projekt für langfristige sichere Energieversorgung zwischen Ost und West werde. Werner Jostmeier, Mitglied des Landtags von Nordrhein-Westfalen und Vorsitzender der deutschen Delegation im Ausschuss der Regionen der EU, sicherte ebenfalls seine Unterstützung für „das erste Passivhaus in Osteuropa“ zu. Astrid Sahm, deutsche Direktorin der IBB Minsk, fasste zusammen, dass das Projekt damit auf Unterstützer aus Brandenburg, Nordrhein-Westfalen, EU Einrichtungen und der Republik Belarus zählen kann.

Ministerpräsident Platzeck legte in seinem Beitrag dar, dass der im Hinblick auf die Zukunftsfähigkeit der Menschheit wichtige Übergang von traditioneller Energieversorgung mittels fossiler Energieträger wie der Braunkohle hin zu erneuerbaren Energien kein problemfreier Weg sei. Wichtig sei daher, dass Umdenken und Akzeptanz für eine solche Umstellung der Energieversorgung erreicht werden. Die Menschen müssten lernen, dass Wohnen auf hoher Qualität trotz Energieeinsparung möglich ist. Weiter betonte der Ministerpräsident die Notwendigkeit der Verbindung von verschiedenen Methoden der alternativen Energienutzung in einem zweiten Schritt der Umstellung, um die Grundlast zu sichern und alternative Energien langfristig marktfähig zu machen. Für erneuerbare Energien sieht Platzeck ein großes Potential in Belarus; hierzu verwies er auf die geplante Errichtung eines ersten Windparks im Minsker Gebiet (Oblast) der Republik Belarus mit Hilfe aus Brandenburg.

Dr. Leonid Schenetz, Direktor der Abteilung für Energieeffizienz beim Staatlichen Komitee für Standardisierung der Republik Belarus, stellte in seinem Vortrag die bisherigen Erfolge zur Verbesserung der Energieintensität des belarussischen Bruttoinlandsprodukts dar. Gleichzeitig konstatierte er ein nach wie vor hohes Potential für Energieeinsparung durch Renovierung von Gebäuden sowie durch neue Baurichtlinien in Belarus: durch Modernisierung könnte hier der Energieverbrauch um 30% oder mehr gesenkt werden. Die bevorstehenden Aufgaben seien schwer, und die Erfahrung Deutschlands für Belarus sehr aktuell.

Weitere Präsentationen, die vom Publikum ebenfalls intensiv diskutiert wurden, hielten die deutschen Experten Beck und Probst sowie die belarussischen Experten Danilewskij vom Institut NIPTAS  und Professor Kundas von der internationalen ökologischen Sacharow-Universität. Architekt Klaus Beck und Wirtschaftsingenieur Jörg Probst demonstrierten in ihrem lebendigen gemeinsamen Vortrag, wie wichtig ein Lernen voneinander und eine frühzeitige Abstimmung aller Beteiligten Baumeister und Bauherren bei so einem Projekt ist. Klaus Beck: „Jeder ist heute irgendwo Experte, und wenn wir unser Wissen austauschen, kommen wir viel schneller zu Ergebnissen.“ Weiter betonte Beck, dass das Ziel nicht sei, ein Gebäude zu bauen, von dem alle sagen, dass dies mit deutschem Know-how und Finanzierung aus dem Ausland realisiert wurde. Vielmehr sollten lokale Experten mit einbezogen und das Modell des Passivhauses bzw. eines Niedrigenergiehauses auf belarussische Verhältnisse angepasst werden: „Dieses Gebäude misst seinen Erfolg daran, ob es für belarussische Verhältnisse bezahlbar und multiplizierbar ist.“

Durch Klick gelangen Sie zu den Grußworten des Stv. Ministerpräsidenten Semaschko und des NRW-Landtagabgeordneten Jostmeier.